die Veranda – das Universum – und wir
Über das Buch
Der Grashalm, die Wolke, der Hund und die Gedanken. Ebenso wie der knarzende Schaukelstuhl. Sie alle sind kleine Galaxien, die umherschwirren, ohne etwas zu wollen. Und doch entsteht zwischen ihnen Gravitation und schließlich gar Bedeutung.
Es geht um Angst und Warten, um Kaffee und Leben. Um das, was bleibt, wenn man sich umschaut – auf einer Veranda, die überall sein kann.
Wir sitzen auf der Veranda. Blick in die Weite schweifend, ein kühles Getränk am heißen Sommertag.
Jetzt sind wir beide genau da, wo wir zum Schreiben und Lesen sein möchten. Unser Rückzugsort, während Geschichten passieren. Ich schreibe sie, du vollendest sie in deiner Vorstellung. Die Veranda wird niemals wieder dieselbe sein.
The universe and I
Hold each other in the sky
'Cause it's just a sea of stars
And I wonder which is ours
I can see Orion's belt
In the distance from the Moon
The universe and I
Don't have a plan tonight
And maybe that's all right
The universe and I
Could fall in love tonight
And that's okay
'Cause it's just a sea of stars
And I wonder which is ours
I can see Orion's belt
In the distance from the Moon
The universe and I
Don't have a plan tonight
And maybe that's all right
DER INHALT
Eine erste Skizzierung
-
Ich lade dich ein.
Am Anfang steht eine Veranda. Wo? Das kann ich nicht genau sagen, denn das entscheidest du. Mache es dir gerne dort gemütlich, schließe für einen Moment die Augen.
Vielleicht taucht ein Bild auf. Eine Erinnerung. Es ist deine Veranda. Vielleicht wartet dort bereits jemand auf dich. Es spielt keine Rolle, ob deine Gedanken gerade ruhig sind, springen oder tanzen. Sie dürfen das, wir haben Zeit. So entsteht deine Veranda ebenso, wie diese Geschichte: im Kopf. Lass uns beginnen. Ich warte auf dich.
Wir sitzen auf der Veranda. Blick in die Weite schweifend, ein kühles Getränk am heißen Sommertag. Es ist nicht das erste Mal, dass ich hier sitze. Die Idee mit der Veranda begleitet mich schon lange. Was diesmal anders ist: Damals war ich allein auf der Veranda, heute nehme ich dich mit. Damals dachte ich, ganz viel zu sagen zu haben. Heute weiß ich, dass es anders ist: ich habe nicht viel zu sagen. Das macht das Schreiben einfacher. Vielleicht, wir werden sehen. Jetzt sind wir beide genau da, wo wir zum Schreiben und Lesen sein möchten. Unser Rückzugsort, während Geschichten passieren. Ich schreibe sie, du vollendest sie in deiner Vorstellung. Die Veranda wird niemals wieder dieselbe sein. Sie verändert sich mit uns. Wir sitzen zur gleichen Zeit nebeneinander auf deiner Veranda und auf meiner. Das ist der Trick, der keiner ist. Was das heißt? Lass es uns erleben.
- Der Beginn
Das Universum
-
Ich habe für heute alles erledigt. Beginnen wir das neue Kapitel damit, dass wir auf unserer Veranda sitzen. Ich strecke mich aus, gähne kurz und trinke einen Schluck aus meinem Glas: „Sieh mal… so viele Galaxien.“ Dann sehe ich mich um: Dort ein Grashalm. Eine Wolke, so riesig, sie könnte Kilometer groß sein, wer weiß. Irgendwie friedlich in ihrer vollen Pracht. Da streunt ein Hund umher, der von dem Gras frisst und uns nur kurz anschaut. Er verschwindet aus meinem Blickfeld. Tausende von kleinen und großen Galaxien, die auftauchen und früher oder später wieder verschwinden. „Bist du etwa auch eine Galaxie?“ frage ich dich, und mit einem wohlwollenden Nicken gibst du mir in einer Weise recht, die dich selbst überrascht: „Eine? Ich bestehe aus vielen Galaxien. Da sind zwei Beine… meine Finger. Die Augen, mit denen ich dich sehe. Galaxien über Galaxien! Jede Kleinigkeit scheint eine Galaxie zu sein, und zusammen sind wir das Universum.“ Wenn du genau hinschaust, entdeckst du die vielen kleinen Bewegungen. Die Galaxien verändern sich in jedem Moment: Der Hund, der aus dem Sichtfeld geht, der Grashalm, der zu einer Wiese wird. Es beginnt zu regnen, die Wolke sieht nicht mehr ganz so harmlos aus. Die Worte, die hier erscheinen und wieder verschwinden, landen in deinem Kopf und verschwinden auch dort. All die Galaxien schwirren umher, ohne etwas zu wollen.
Ich nehme einen Schluck von meinem Kaffee. „Autsch!“ Ein kurzer, stechender Schmerz auf der Zunge. Dann taucht ein Bild in meinem Kopf von der neuen Kaffeemaschine auf, die den Kaffee immer zu heiß macht. „Dieses Bild gerade in meinem Kopf… das hast du nicht gesehen, oder?“ Du schüttelst langsam den Kopf, als würdest du etwas begreifen. „Nein“, sagst du leise. „Das sind innere Galaxien… du kannst sie sehen, ich nicht.“
Ich zeige dir ein Foto von mir aus der Kindheit. Dort sitze ich auf einer Treppenstufe, die als Eingang zu einem Garten führt. Du, in deiner typischen Art: „Ich weiß, was du mir sagen willst… Das Foto ist eine äußere Galaxie. Die inneren des Kindes können wir nicht sehen.“ Ich schaue mich um. Alles ist hier. Die äußeren Galaxien, die inneren, die Geschichten, die wir daraus machen.
- Gravitation: zwischen den Galaxien
- Bedeutung im Universum
- Stärker als das Universum
Wir im Universum
- Die Worte, die wir glauben
- Leben, bevor wir sterben!
- Explosionen, die keine sind
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Ich sitze diesmal allein auf meiner Veranda. Und ich habe Zeit. Wie viel? Das weiß ich nicht. Weil ich nicht weiß, was passieren wird. Im Moment habe ich das Gefühl, endlos Zeit zu haben. Das finde ich schön, und genieße es. Was auch immer passieren wird. Ich habe Lust, einen Kaffee zu holen, aber ich sitze gerade sehr gemütlich. Ich betrachte das Gewitter aus der sicheren Entfernung, während der Stuhl knarzt. Für mich ist es lauter als der Donner. Ich stehe auf und hole mir ein Glas Wasser. Laufe in dem einstöckigen Haus herum und schaue, ob alle Fenster geschlossen sind. Gerade als ich wieder raus auf die Veranda gehen will, fällt mir etwas auf: Es hat aufgehört zu regnen. Also mache ich die Fenster wieder auf, weil es so angenehm abgekühlt ist. Ich höre eine Taube gurren. Sie erinnert mich an meinen Opa, dort waren morgens immer Tauben am Gurren. Ich vermisse ihn. Ich träume manchmal von ihm und kann mich dort mit ihm unterhalten. Ich kann die Erinnerung nicht festhalten, so sehr ich das auch möchte. Sie verschwindet wie ein Flugzeug aus dem Sichtfeld eines Jungen, und ich setze mich wieder auf die Veranda.
-
Diesmal beginnt es nicht mit einer Veranda, sondern mit einer Geschichte. Bist du dabei?
Wir laufen in der Rush Hour durch die Straßen Londons. Sonnenuntergang im Winter, milde Temperaturen. Eine dichte Masse aus Menschen strömt um uns herum. Für einen kurzen Moment versuche ich, alle Menschen gleichzeitig wahrzunehmen. Es gelingt mir nicht, es sind einfach zu viele. Was ich aber sehe, ist, dass sie ein Ziel haben. Vielleicht die nächste Tube-Haltestelle, ein Bus oder ein Treffen mit Freunden im nächstgelegenen Pub. Tausende Galaxien. Jede einzelne unterwegs. Jede einzelne mit ihrer eigenen Geschichte.
Wir bleiben an einer Ampel stehen, sie steht auf Rot. Die Autos versuchen, im Stau weiterzukommen, wir stehen. Ein kurzer Atemzug, ein Moment, an dem die Menschen still dastehen. Da fällt mein Blick auf eine Frau, mit einem gläsernen Blick, der mich an eine Freundin erinnert. Deshalb schaue ich genauer hin, kurz bevor die Ampel auf Grün springt und wir weiterlaufen. Hier und da muss ich jemandem ausweichen. Und ärgere mich kurz, dass die andere Person nicht etwas weiter zur Seite geht. Busy, busy.
Oh, ein Laden, den du kennst. Da gehen wir rein, neueste Technik. Du schaust immer rein, wenn du mal hier vorbeikommst. Warum, weiß ich nicht, ich finde nichts, was mich interessiert, und bekomme zu viel von dem ganzen Gewusel. Ich versuche dich dennoch zu erreichen: „Ich würde gerne wieder auf die Veranda gehen.“ Du hörst mich kaum, nehme ich an. Denn du nickst und gehst weiter, die Regale entlang.
Und da denke ich kurz, ein auftauchender Gedanke, der mich nicht loslässt: „Ich möchte hier raus.“ Ich entdecke Bilder der Veranda in meinem Kopf. Für einen Moment möchte ich einfach dort sitzen. Stattdessen sind da unangenehme Gefühle. Gedanken erscheinen schneller, als ich sie greifen kann. London zieht mich nicht wegen der Masse an Menschen an. Es zieht mich an, weil es meine inneren Galaxien in Aufruhr versetzt. Das mag ich manchmal. Aber jetzt habe ich auch voll Bock auf die Veranda. Sie zieht mich gerade an.
Ein Lied zum Kapitel: Love Hate ChaosWe walked through London
A hundred thousand strangers deep
Every face a whole universe
That we'll never get to keepI loved the noise
I hated the noise
Same city
Same minute
Same choiceSomeone bumped my shoulder
Didn't look back, didn't care
For a second I hated them completely
For a second I loved that they were thereThat's the whole thing, isn't it
That's the whole chaotic deal
We contain the opposite of everything
And somehow it's all realWe love
We hate
Sometimes in the same breath
We love
We hate
And nothing cancels out
Nothing's leftWe love, we hate
Everything is chaos
And we're right in the middle
Right in the middle of itI hated the crowd on Oxford Street
Loved it thirty seconds later
Loved you in the middle of an argument
Hated how much that made senseWe're not two things
We're both things
At the exact same time
That's not a flaw
That's just being aliveGive me the crowd
Give me the noise
Give me the shoulder that bumped mine
And didn't apologize
Give me all of it
I'll take all of itWe love, we hate
Everything is chaos
And we're right in the middle
We always wereRight in the middle
Right in the middle
Of all of it - Ein Traum namens Leben
- Über das Suchen und Finden
- Du, Gott & das Universum
Über den Autor